Highway to Fail

Für den 1. satirischen Grünbrückenpreis erreichten die Jury 18 Bewerbungen. 17 aus Deutschland und eine aus der Schweiz. Darunter 15 verschiedene Querungshilfen und ein Autobahnbauprojekt (2 Querungshilfen wurden unabhängig voneinander zweimal eingereicht). Unter den Querungshilfen waren 13 Brücken, eine untertunnelte Bergkuppe und eine elektronische Wildwarnanlage. Aus Deutschland waren Querungen aus Baden-Württemberg, dem Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westphalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein vertreten.

Die Brücke mit dem Arbeitstitel Maschen-Draht-Zaun-Trail in Niedersachsen (A7) hat die Jury ebenso beeindruckt, wie die elektronische Wildwarnanlage in Schleswig-Holstein (B202), die nun Gefahr läuft von einem Solarpark abgeschirmt zu werden, oder die zahlreichen Wildbrücken, über die auch Straßen gebaut wurden oder an deren Füßen eine andere Straße verläuft, auf die die querenden Tiere zwangsläufig geführt werden. Wohl jede Einreichung hätte es verdient, am 30. Januar 2026 auf der Jagd und Hund in Dortmund gewürdigt zu werden. Letztlich hat sich die Jury aber dazu entschieden drei Projekte herauszuheben, die ganz unterschiedliche Schicksale repräsentieren und in sehr eindrucksvoller Art und Weise verdeutlichen, wie unachtsam unsere Gesellschaft derzeit noch mit diesen wichtigen Bauwerken umgeht.

Auf Platz 3 kam der Pellinger Berg, eine natürliche Wildbrücke über die dort getunnelte A8. Der über den Pellinger Berg führende Fernwechsel ist von internationaler Bedeutung. Er verbindet die Rotwildpopulation im saarländischen Hochwald (Hunsrück) mit der 30 km entfernten Rotwildpopulation im französischen Departement Moselle. Trotzdem soll die Brücke nun durch einen Solarpark verbaut werden.

Platz 2 belegte die Wildbrücke über die B50 bei Graach (Stadt Bernkastel-Kues) in Rheinland-Pfalz. Abseits monetärer Interessen verdeutlicht dieses Beispiel, dass geringe öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung von Wildquerungshilfen. Die Stadt Bernkastel-Kues hat die Brücke nämlich ganz offiziell in den von ihr und anderen Quellen beworbenen Wanderweg „Graacher Schanzenweg in Graach“ integriert. Man scheut auch in der Wegbeschreibung nicht davor zurück, die Wanderer mit folgender Formulierung explizit zur Nutzung der Wildbrücke anzustiften. Dort heißt es nämlich: „Am Ende des Pfades passieren Sie erneut die B50, jetzt aber über eine Wildbrücke.“

Gekrönt wurden alle Einreichungen jedoch von der Grünbrücke Brokenlande in Schleswig-Holstein (A7).  Diese Brücke ist der Dreh und Angelpunkt für Wildwanderungen in Schleswig-Holstein. Ihre Bedeutung reicht dabei aber bis nach Dänemark hinauf. Trotzdem wurde, quasi direkt an den östlichen Fuß der Brücke, nachträglich ein LKW-Parkplatz gebaut. Bei diesem hat man jedoch leider die Sanitären Anlagen weggelassen, so dass sich die Parkenden dort regelmäßig Löcher in den Zaun schneiden, um ihre Notdurft unbewusst auf dem Wildwechsel zu verrichten. Besonders tragisch wird der Fall jedoch dadurch, dass er der Landespolitik hinlänglich bekannt ist und dass schon im Dezember 2024 die Aufstellung mobiler Toiletten und unüberwindbarer Sichtschutzelemente versprochen wurde. Geschehen ist seitdem jedoch nichts. Dafür sollen die meisten zu- und abführenden Wechsel jedoch mit Solarparks verbaut werden. Ein würdiger, wenn auch äußerst trauriger Gewinner des ersten satirischen Grünbrückenpreises, des Highway to Fail.

2028 werden wir erneut Bilanz ziehen und den 2. satirischen Grünbrückenpreis ausloben. Bewerbungen werden wir dafür ab Sommer 2028 entgegen nehmen. Die Kür der traurigen Gewinner erfolgt dann auf der Jagd & Hund im Januar 2029.